„Faustlos“ geht davon aus, dass aggressives Verhalten im Wesentlichen aus dem Mangel an sozialen Kompetenzen resultiert, so dass konstruktive Konfliktbewältigung in vielen Fällen nicht möglich ist und dadurch aggressives Verhalten entsteht. Deshalb ist es das Ziel dieses Curriculums, allgemeine prosoziale Fähigkeiten zu vermitteln, um so das impulsiv-aggressive Verhalten zu reduzieren und die Fähigkeit der Kinder zum Lösen von Konflikten zu fördern. „Faustlos“ richtet sich nicht nur an die potentiellen Täter, also die bereits auffälligen aggressiven Kinder, sondern auch an die potentiellen Opfer, die stillen Kinder, die bereit sind, alles über sich ergehen zu lassen.
Aufbau und Ziele
Das „Faustlos-Curriculum“ ist in drei große Themenbereiche gegliedert. Es vermittelt Kompetenzen in den Bereichen Empathie, Impulskontrolle und Umgang mit Ärger und Wut.
Empathie Training
Empathie scheint ein wichtiger Faktor bei der Kontrolle aggressiven Verhaltens zu sein. Empathischen Menschen fällt es leichter, sich in die Sichtweisen anderer hineinzuversetzen und sie zu verstehen. Daher sind sie weniger gefährdet, andere miss zu verstehen oder sich über andere zu ärgern und damit werden sie weniger leicht in Konflikte verwickelt. Deshalb sollen die Kinder in die Lage versetzt werden,
-
sich in die Situationen und Gefühle anderer hineinzuversetzen, also die Perspektive der Partner zu übernehmen
-
•auf andere Menschen emotional zu reagieren.
Impulskontrolle
Impulskontrolle bedeutet, eine Aktivität zu stoppen und über ein Problem nachzudenken, anstatt spontan zu tun, was einem in den Sinn kommt. Die Kinder lernen mit Hilfe einer bestimmten Methode ein interpersonelles Problem zu lösen. Impulsives und aggressives Verhalten von Kindern soll vermindert werden durch,
-
das Kennenlernen von Problemlösestrategien und deren Anwendung in sozialen Situationen,
-
das Training von sozialen Verhaltensfertigkeiten, wie z. B. sich entschuldigen, jemanden höflich zu unterbrechen oder jemanden um Hilfe zu bitten.
Umgang mit Ärger und Wut
Strategien zum Umgang mit Ärger und Wut zielen darauf ab, zunächst die Auslöser von Ärger wahrzunehmen, um dann durch den Gebrauch von positiven Selbstverstärkern und durch die Anwendung von Beruhigungstechniken die Ärgergefühle in eine sozial verträgliche Richtung zu lenken.
Wütendes Verhalten von Kindern soll vermindert werden durch
-
das Erkennen ärgerlicher Gefühle bei sich und anderen und • die Anwendung von Techniken zur Reduzierung von Ärger und Wut
-
das Training einzelner Verhaltensfertigkeiten, wie z.B. Umgang mit Kritik,Umgang mit Hänseleien, Umgang mit Enttäuschungen usw.
Das „Faustlos-Programm“ zielt auf eine langfristige Wirkung ab. Die Schülerinnen und Schüler sollten ihr Verhalten in den unterschiedlichsten Situationen möglichst immer wieder bewusst überprüfen und faire Umgangsformen üben.